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Was ist ein Investment und inwieweit unterscheidet es sich von Spekulation?

Published on: Mrz 29, 2021

Eine Vielzahl an Angestellten hat sich in den letzten Monaten mit einer gestiegenen Unsicherheit bezüglich des eigenen Arbeitsplatzes konfrontiert gesehen. In Verbindung mit dem aktuell vorherrschenden Niedrigzins hat dies dazu geführt, dass viele Menschen sich nach alternativen Einkommensquellen umsehen. Ein Beispiel dafür ist das gestiegene Interesse an den Finanzmärkten, wo viele neue Anleger ihr Kapital investieren. Dabei stellt sich jedoch die Frage, was genau eigentlich ein Investment ist und ob die neuen Anleger ihr Kapital tatsächlich investieren oder ob sie es eher spekulativ anlegen. Im Rahmen dieses Posts soll betrachtet werden, was genau ein Investment ist, in welche Asset-Klassen investiert werden kann und wie sich das Investieren vom Spekulieren unterscheidet.

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Zunächst bedarf es an dieser Stelle einer Abgrenzung des Begriffs Investment. Dieser ist im Cambridge Dictionary wie folgt definiert:

“The act of putting money, effort, time, etc. into something to make a profit or get an advantage, or the money, effort, time, etc. used to do this.”¹

An dieser Stelle ist zu betonen, dass es sich dabei nicht ausschließlich um Finanzinvestments handelt, sondern dass im Rahmen dieser Definition lediglich der Einsatz von (knappen) Ressourcen berücksichtigt wird. So kann beispielsweise auch die (akademische) Ausbildung als Investment verstanden werden, da eine Person hierbei mit der Intention, sich zu einem späteren Zeitpunkt einen Vorteil zu verschaffen oder ein höheres Einkommen zu generieren, die eigene Zeit investiert. Im weiteren Verlauf dieses Posts sollen jedoch insbesondere solche Investments betrachtet werden, die sich auf den Einsatz von Kapital stützen.

Im Sprachgebrauch der Finanzwelt wird dabei im Wesentlichen zwischen dem Investieren und Spekulierenunterschieden, wobei keine definitive Abgrenzung zwischen den beiden Begriffen existiert. In der Praxis erfolgt die Unterscheidung meist anhand des Anlagehorizonts bzw. anhand des aufgenommenen Risikos. Beim Investieren ist der Kapitaleinsatz meist langfristig, wohingegen spekulative Anlagen zumeist eher auf einen kurzfristigen Erfolg abzielen.² Zudem ist das aufgenommene Risiko beim Investieren in der Regel deutlich geringer als beim Spekulieren, da bei einem Investment immer ein Profit erwartet wird, wohingegen beim Spekulieren auch Verluste in Kauf genommen werden, um die Chance auf außergewöhnlich hohe Gewinne zu wahren.³

Die derartige Abgrenzung ist jedoch nicht frei von Kritik. Max et al. (2020) kritisieren beispielsweise diese Form der Unterscheidung und verweisen darauf, dass die praktische Anwendung starke Limitationen aufweist, da die zugrundeliegende Situation immer einen signifikanten Einfluss auf die Entscheidungen hat. Während in einer bestimmten Situation eine Kapitalanlage einen spekulativen Charakter aufweist, könnte eine vergleichbare Kapitalanlage unter Berücksichtigung einer veränderten Situation eine Form von Investment darstellen. Sie argumentieren stattdessen, dass die Begriffe Investment und Spekulation so stark miteinander verknüpft sind, dass eine klare Abgrenzung unter Umständen gar nicht möglich ist. Vielmehr resultiert die jeweilige praktische Verwendung im Sprachgebrauch aus den (wahrgenommenen) positiven bzw. negativen Konsequenzen der jeweiligen Handlung. Die gesellschaftliche Wahrnehmung eines Investments ist in der Regel eher positiv, wohingegen die Wahrnehmung von Spekulation eher negativ geprägt ist.⁴

Wie bereits in den vorangegangenen Abschnitten erwähnt, ist es nicht ohne weiteres möglich, eine geeignete Abgrenzung zwischen dem Investieren und dem Spekulieren zu finden. Folglich ist es auch nicht verwunderlich, dass der tatsächliche Gebrauch der beiden Begriffe in der Praxis variiert. Es ist denkbar, dass mit der jeweiligen Verwendung schon eine Wertung einhergeht, auch wenn es zumindest fraglich ist, ob dies gerechtfertigt ist. Wenn es nun darum geht, zu beurteilen, ob die neuen Anleger eher Investieren oder Spekulieren, ist somit die Problematik hinsichtlich der Abgrenzung zu berücksichtigen. Es könnte beispielsweise argumentiert werden, dass viele neue Investoren aufgrund mangelnder Erfahrung und unzureichendem Wissen gar nicht in der Lage sein können, geeignete Investmententscheidungen zu treffen. In dieser Argumentation würde jedoch unterstellt werden, dass eine Kapitalanlage nur dann ein Investment ist, wenn im Vorfeld umfangreiche Analysen des Anlageprodukts sowie der Marktgegebenheiten durchgeführt werden. Gleichzeitig könnte argumentiert werden, dass das eingegangene Risiko von unerfahrenen Anlegern höher ist, sie jedoch nicht spekulieren, da die Kapitalanlage mit einem langfristigen Anlagehorizont erfolgt. Diese Abhängigkeit von der subjektiven Beurteilung macht es kaum möglich, die oben genannte Frage zu beantworten. Möglicherweise ist die Mehrheit der neuen Anleger tatsächlich auf eine langfristige Kapitalanlage aus. Aufgrund des aktuellen Hypes – insbesondere in Bezug auf den Aktienmarkt – ist es aber auch denkbar, dass hier viele neue Anleger unüberlegte Entscheidungen treffen und dem aktuellen Hype oder FOMO (fear of missing out)unterliegen. Zudem stellt sich die allgemeine Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, in Zeiten von gestiegener Unsicherheit am Finanzmarkt zu partizipieren. Warum dies für eine Privatperson unter Umständen problematisch ist, soll im nächsten Abschnitt betrachtet werden.

Unabhängig davon, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass durch den Kapitaleinsatz eine positive Rendite erzielt wird, besteht immer die Möglichkeit, dass der Anleger einen Verlust erleidet. Daher sollten in der Praxis bestimmte Voraussetzungen gegeben sein, bevor Menschen am Finanzmarkt partizipieren. Ein privater Anleger sollte nur dann investieren, wenn er bereit ist, im schlimmsten Fall sein gesamtes eingesetztes Kapital zu verlieren. In unsicheren Wirtschaftszeiten, in denen auch eine erhöhte Gefahr besteht, dass vermeintlich sichere Einkommensquellen wie zum Beispiel der Arbeitslohn verloren gehen, sollten Individuen somit noch genauer abwägen, ob sie das Verlustrisiko tragen können und wollen. In einer solchen Situation ist es meist von Vorteil, wenn zumindest eine grundlegende Bargeld-Rücklage für eventuelle Notfälle existiert, bevor Kapital am Finanzmarkt angelegt wird. Wenn der Entschluss gefasst wurde, zu investieren, gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Asset-Klassen, in die private Anleger investieren können, sodass es hier unter Umständen problematisch ist, den Überblick zu behalten. Das Spektrum für Kapitalanlagen reicht dabei von Anleihen über verschiedene Aktieninvestments bis hin zu Immobilien und Optionen oder Zertifikaten. Wie und in welche Assets tatsächlich investiert wird, ist immer abhängig von den individuellen Vorlieben und Präferenzen des jeweiligen Anlegers. Dabei ist jedoch zu beachten, dass diese zum Teil gravierende Unterschiede hinsichtlich ihres Risikos aufweisen. Eine genauere Betrachtung der einzelnen Asset-Klassen würde an dieser Stelle jedoch den Rahmen dieses Posts sprengen. Zuletzt ist zu erwähnen, dass Anleger sich klare Ziele setzen sollten, was sie mit ihren Investments erreichen wollen und wann dieses Ziel erreicht werden soll. Dies hilft dabei, sich keine unrealistischen Ziele zu setzen und eine konsistente Strategie zu verfolgen, die die höchste Chance auf Erfolg verspricht.

Unter einem Investment wird der Einsatz einer knappen Ressource verstanden, der dazu dient, zu einem späteren Zeitpunkt einen Vorteil oder eine finanzielle Wertsteigerung zu erlangen. In der praktischen Verwendung innerhalb der Finanzwelt ist es nicht ohne weiteres möglich, eine geeignete Abgrenzung zwischen dem Investieren und dem Spekulieren zu finden. Häufig wird eine Unterscheidung über die Dauer des Anlagehorizonts oder das aufgenommene Risiko versucht. Allerdings wird dieser Ansatz auch kritisiert, da er möglicherweise nicht realistisch ist, da die beiden Begriffe eng miteinander verbunden sind und da er situative Einflüsse vernachlässigt. Neben den Problemen mit der sprachlichen Verwendung der Begriffe treten insbesondere für private Anleger weitere Schwierigkeiten auf, wenn es um die Entscheidung geht, ob, wann und in was investiert werden soll. Nur wenn sie bereit sind, das mit einer Kapitalanlage verbundene Risiko zu tragen und sich der potentiellen Konsequenzen bewusst sind, sollten sie an den Finanzmärkten partizipieren.

¹ Cambridge Dictionary. N.d. “INVESTMENT | definition in the Cambridge English Dictionary.” Cambridge Dictionary. Accessed March 29, 2021.
https://dictionary.cambridge.org/dictionary/english/investment.

² Hayes, Adam (Reviewed by Michael J. Boyle). 2021. “Investment”. Investopedia. Accessed March 29, 2021.
https://www.investopedia.com/terms/i/investment.asp

³ Nguyen, Joseph. 2020. “Investing vs. Speculating: What´s the Difference?”. Investopedia. Accessed March 29, 2021.
https://www.investopedia.com/ask/answers/09/difference-between-investing-speculating.asp.

⁴ Max, R., Kriebitz, A., & Luetge, C. (2020). Economic Activities under Uncertainty: The Difference between Speculation, Investment and Gambling. Journal of Management and Sustainability. 10(1), 28-37.
https://doi.org/10.5539/jms.v10n1p28.

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